Pirna – Eine Perle der Sächsischen Schweiz
Bericht aus Magazin die-infoseiten.de – Ausgabe Mai-Juni 2008
Bei einem Bummel durch die wunderschöne, historische Altstadt werden sich nicht nur Architekturliebhaber immer wieder neu vom Flair der ehrwürdigen Gebäude verzaubern lassen. Zahlreiche Restaurants, Cafés und urige Kneipen laden zum Verweilen, gemütliche Läden zum Kaufen ein. Dass die Innenstadt über Jahrhunderte hinweg nahezu unverändert erhalten geblieben ist, belegen die Werke des bedeutenden Vedutenmalers Bernardo Bellotto – besser bekannt als Canaletto. Im Auftrag von Kurfürst Friedrich August III. schuf er zahlreiche Ansichten von Dresden und Pirna. Insgesamt elf große Pirnaer Stadtansichten schuf er in den Jahren 1753 – 55, wobei er sich einer Camera Obscura bediente. Das wohl bekannteste Kunstwerk aus dieser Reihe ist „Der Marktplatz zu Pirna“, wo auch das nach dem Maler benannte „Canalettohaus“ zu sehen ist. Hier befindet sich heute der TouristService Pirna sowie eine kleine Ausstellung zum Maler und seinen Werken. Die detailgetreuen Veduten geben einen einzigartigen Einblick in das Stadtambiente und Leben der damaligen Zeit. Der aufmerksame Betrachter wird sich einen Vergleich mit dem heutigen Aussehen nicht verkneifen können und feststellen, dass viel erhalten werden konnte.
Lassen Sie uns gemeinsam einen Augenblick in der bewegten Geschichte der Stadt verweilen.
Pirna wurde 1233 erstmals urkundlich erwähnt. Die Stadt entwickelte sich schnell zu einem florierenden Handelszentrum an der Elbe. Dies verhalf zu beachtlichem Reichtum, was man auch im Bau prachtvoller Gebäude zum Ausdruck brachte. Vor allem profitierten die Bewohner vom Handel mit Sandstein, welcher hier seine Reise über die Elbe zu den Baustellen begann, sowie vom Handel mit Erzen aus dem nahegelegenen Berggießhübel. Aber auch für andere Waren wie beispielsweise Stoffe, Getreide und Holz entwickelte sich Pirna zum wichtigen Umschlagsplatz.
Der 30-jährige Krieg mit Belagerung und Plünderungen durch die Schweden beendete die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung.

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert kam es zu bedeutenden Umstrukturierungen und Neuordnungen in der gesamten Stadt. Industriegebiete wurden errichtet, die Bevölkerung wuchs und neue Wohnviertel entstanden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten größere Industriebetriebe wie z.B. ein Zellulosewerk, Glaswerke, Metallindustrie und Maschinenbau an. 1908 entstand das Kunstseidenwerk. Von hier aus eroberte die erste deutsche Viskoseseide die Welt. Pirna wurde an Dampfschifffahrt und Eisenbahn angeschlossen. In den Jahren 1873 – 75 erbaute man die erste Elbquerung – die Sandstein-Brücke. Das wohl dunkelste Kapitel Pirnaer Geschichte wird zur Zeit des Nationalsozialismus geschrieben. In den Jahren 1940 – 41 finden ca. 15.000 überwiegend geistig behinderte und psychisch kranke Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein den Tod. Sie wurden im Rahmen des Euthanasieprogramms ermordet. Im Jahr 2000 öffnete die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein ihre Pforten – ein Ort gegen das Vergessen.
Zu DDR-Zeiten war das Pirnaer Stadtgebiet für seine Zellstoff- und Kunstseidenwerke weithin bekannt. Ebenso produzierten hier u.a. die VEB Guss- und Farbglaswerke, der VEB IKA Auto-Elektrik und der Chemieapparatebau. Um den Bedarf an Wohnungen zu decken, entstanden große Wohngebiete in Pirna- Sonnenstein und Copitz neu, während die historische Altstadt zusehens zerfiel. Dem großen Engagement vieler einzelner Bürger und Investoren ist es zu verdanken, dass wir die Altstadt heute in ihrer ganzen Pracht bewundern können.
Das Rathaus von Pirna
Der Bau auf dem Markplatz wurde 1396 erstmals erwähnt und in den nachfolgenden Jahrhunderten mehrmals umgebaut. Seinen barocken Turm erhielt er Anfang des 18. Jahrhunderts. Das Gebäude zieren eine Sonnenuhr, das Stadtwappen, eine Kunstuhr sowie eine Mondphasenkugel.
Das Teufelserkerhaus
… befindet sich in der Oberen Burgstraße und wurde Ende des 16. Jahrhunderts erbaut. Ein zweigeschossiger, üppig verzierter Erker, der von drei Teufeln getragen wird, gab dem Gebäude seinen Namen. Hierbei beantwortete der Eigentümer Fragen nach dem Grund gleich mit einer Inschrift: „Ich wolds so haben was fragstu darnach“. In den 1980iger Jahren bewahrte die Bürgerbewegung „Rettet Pirna“ das Gebäude vor dem Abriss. Zwischenzeitlich wurden die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen. Als Pendant dazu kann das Gebäude in der Barbiergasse 10 gesehen werden. Das Haus entstand wohl in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Sein Erker wird von einem Engel getragen.
Die Stadtkirche St. Marien
Die spätgotische Hallenkirche wurde zwischen 1502 und 1546 erbaut, wobei man den mächtigen Turm von der vorherigen Kirche übernahm. Seine heutige Dachform erhielt er im 18. Jahrhundert. Das Innere der Kirche versetzt den Besucher in Staunen. Solch eine grazile, feingliedrige Ausstattung hätte man dem von außen eher massiv wirkenden Gebäude gar nicht zugetraut. Die großartigen Gewölbemalereien stammen aus den letzten Jahren der Erbauung. Glücklicherweise erhielt man diese, während Wandmalereien einer Instandsetzung im Jahr 1802 zum Opfer fielen. Das Gewölbe ist zusätzlich netzartig durchwoben. Der Sandsteinaltar ist das Prunkstück der Kirche, an dessen Fertigstellung fünf Künstler mitwirkten. Auch Kanzel, Epitaphe und Taufstein zeugen von hoher bildhauerischer Kunstfertigkeit, was die Kirche heute zu einer kunsthistorischen Besonderheit macht.
Klosterhof, Stadtmuseum und die Kirche St. Heinrich
Mit der Gründung eines Dominikanerklosters um das 13. Jahrhundert begann die Geschichte des Ensembles. Durch die sogenannten Bettelmönche, denen weltlicher Besitz über lange Zeit hinweg untersagt war, entstand die Klosterkirche in schlichter Ausstattung. Im 16. Jahrhundert, mit Einführung der Reformation, wurde das Kloster aufgelöst. Wer vom regen Treiben in Pirnas Straßen kurz Entspannung sucht , wird im beschaulichen Klosterhof ein ruhiges Plätzchen finden.
Seit 1923 sind die Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters ein würdiger Rahmen für das 1861 gegründete Stadtmuseum. Nach umfangreicher Sanierung wurde es 1993 wieder eröffnet. Zum Kern des Museums gehört eine ausführliche Ausstellung zur Geschichte der Stadt Pirna, welche durch wechselnde Ausstellungen, verschiedene Veranstaltungen und Führungen ergänzt wird.
Die Postmeilensäule
… befindet sich an der Jacobäerstraße. August der Starke ließ sie 1722 errichten und in der Breiten Gasse aufstellen. Auf Canalettos Kunstwerk „Die Breite Gasse in Pirna“ ist sie deutlich zu erkennen.
Das Landschloss Pirna-Zuschendorf
1553 ließ Ritter Hans II. von Carlowitz die vormals bestehende Burg zum Schloss umbauen. Die Ursprünge der Burg liegen im Dunkel der Vergangenheit verborgen, können aber wohl im 12. oder 13. Jahrhundert vermutet werden. Nach zahlreichen Besitzerwechseln und unterschiedlichster Nutzung beispielsweise als Lager und Kindergarten kam das stark zerfallene Gebäude 1988 in Besitz des VEG Saatzucht Zierpflanzen Dresden. Der Verfall konnte so in den nachfolgenden Jahren aufgehalten, das Schloss nach und nach restauriert werden.
Heute befinden sich hier wahre botanische Schätze. Eine Kameliensammlung, die ihresgleichen sucht und jährlich Tausende Besucher nach Zuschendorf lockt, brachte dem Landsitz den hübschen Beinamen „Kamelienschloss“. Ein Großteil der Kostbarkeiten stammt dabei aus der Ziergärtnerei Seidel. Weitere umfangreiche Sammlungen von Azaleen, Efeu, Bonsai und Hortensien können vom Besucher regelmäßig bewundert werden.
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